Nike distanziert sich von Arbeitslagern in China – und steht im Shitstorm

Nike distanziert sich von Arbeitslagern in China – und steht im Shitstorm A man wearing a face mask passes a Nike store, as the country is hit by the novel coronavirus outbreak, in Beijing, China, March 2, 2020. REUTERS/Thomas Peter

Spiegel.de, 25.03.2021

Unten ein Artikel aus der Spiegel.de, Foto Reuters

Chinas Umgang mit den Uiguren sorgt für diplomatischen Zoff – und belastet zunehmend auch die Wirtschaft. Nike, H&M und Co. droht nach Äußerungen hierzu ein hoher Schaden in dem Land.

Wenn internationale Konzerne sich für Menschenrechte einsetzen, erhalten sie üblicherweise Anerkennung und profitieren manchmal auch davon. In China ist der Fall jedoch genau umgekehrt: Nachdem Nike sich von Arbeitslagern in China distanziert hatte, hat es den Zorn zahlreicher chinesischer Social-Media-Nutzer auf sich gezogen. Auch der beliebte chinesische Schauspieler Wang Yibo beendete seinen Vertrag als Repräsentant für Nike, wie dessen Agentur erklärte. Er wolle sich »entschieden gegen jegliche Worte und Handlungen« wehren, die China »beschmutzen«.

Nike hatte auf der Twitter-ähnlichen Plattform Weibo geschrieben, das Unternehmen sei »besorgt« über Berichte von Zwangsarbeit der muslimischen Minderheit der Uiguren in der Provinz Xinjiang und würde keine Baumwolle aus der Region verwenden. Eine Stellungnahme des US-Konzerns zum Shitstorm in den sozialen Medien steht bislang aus. Unklar ist bislang auch, wie groß der Anteil des Propagandaapparats der Kommunistischen Partei an der Kampagne ist.

Klar ist: Die Aktionen gegen Nike könnten auch eine Art Vergeltung für die westlichen Sanktionen sein, die unter anderem die EU wegen der Unterdrückung der Uiguren zuletzt gegen hochrangige Beamte der Volksrepublik verhängt hat – die ersten in rund 30 Jahren. Peking hatte darauf seinerseits bereits reagiert – und Strafmaßnahmen unter anderem gegen die deutschen EU-Parlamentsabgeordneten Reinhard Bütikofer (Grüne) und Michael Gahler (CDU) sowie das Mercator Institute for China Studies in Berlin verhängt. Das Auswärtige Amt lud den chinesischen Botschafter daraufhin zu einem »dringenden Gespräch« ein.

Parteizeitung prangert weitere Modemarken an

Der Adidas-Rivale ist nicht das einzige Unternehmen, das unter dem Streit über die Menschenrechtslage in Xinjiang leidet. Die Jugendorganisation der regierenden Kommunistischen Partei kramte in den sozialen Medien eine etwa ein Jahr alte Mitteilung von H&M hervor, in der sich die schwedische Modefirma ebenfalls besorgt über die Zustände in den Lagern äußerte. Die staatliche Parteizeitung, die »Global Times«, listete wiederum auf, dass auch Burberry, Adidas und New Balance in der Vergangenheit »einschränkende Bemerkungen« über Baumwolle aus Xinjiang gemacht hätten.