Langer Abriss: Das alte Kashgar soll verschwinden

Von Petra Aldenrath

Deutschlandradio Kultur, 05.07.2010

2009 brachen in der chinesischen Provinz Xinjiang Unruhen zwischen Chinesen und der uigurischen Minderheit aus. Der Aufstand war auch Ausdruck der Furcht der Uiguren, ihrer Tradition beraubt zu werden. Eine berechtigte Sorge, wie die schleichende Zerstörung der Altstadt von Kashgar zeigt, dem alten kulturellen Zentrum der Uiguren.

Jeden Sonntagmorgen um acht Uhr beginnt der Viehmarkt in Kashgar. Bauern karren auf Pferdekutschen Hühner oder Schafe an. Größere Tiere wie Yaks, Ziegen oder Kamele werden auf offenen Lastwagen antransportiert. Einmal in der Woche verkaufen Bauern aus Nah und Fern hier ihre Tiere. Bis zu 50.000 Menschen strömen dann zum Markt.

Der Viehmarkt von Kashgar ist seit Jahrhunderten bereits ein Mythos. Kashar liegt im äußersten Westen von China, ganz in der Nähe der pakistanischen Grenze. Die Stadt war früher ein wichtiger Handelsposten auf der Seidenstraße. Kamelkarawanen zogen hier durch, Händler brachten Gewürze oder Teppiche mit und tauschten sie in China gegen Tee oder Seide. Wer ein neues Kamel oder Pferd brauchte, wurde schon damals auf dem Sonntagsviehmarkt von Kashgar fündig.

Bis heute scheint sich an der Atmosphäre auf dem Markt nicht viel geändert zu haben. Die Straßen, die dorthin führen, sind nach wie vor ungepflastert und lehmig. Nach Tierarten sortiert, steht das Vieh nebeneinander. Kühe, Rinder, Kamele, Pferde und Yaks sind an Gatter fest gebunden. Schafsherden stehen gedrängt, Hühner sind in Käfige gezwängt.

Wer sein Tier nicht lebendig mitnehmen will, kann es direkt vor Ort schlachten lassen. Auf einem mit Blut beschmierten Tisch wird ihm mit einem Beil der Kopf abgetrennt.

„Ich verdiene 2000 Yuan im Jahr, indem ich Schafe verkaufe. So etwa vier bis fünf Schafe im Jahr ziehe ich groß.“

Das erzählt ein Händler. 2000 Yuan, das sind umgerechnet etwa 220 Euro pro Jahr. Das ist viel Geld für die Bauern, die rund um Kashgar leben, mitten in der Einöde, der Wüste.

Hier ticken die Uhren langsamer als im restlichen China. Der Großteil der Bevölkerung lebt nach wie vor in Lehmbauten. Gekocht wird in einem Steinofen mit Kohle, fließendes Wasser gibt es oft nicht.

„Das Leben ist doch gut. Ich bin gesund und habe vier Kinder.“

Sagt einer der Viehhändler. Er war noch nie weg aus seinem Dorf in Kashgar. Einen Fernseher besitzt er nicht, der Reichtum der Großstädte ist dem Händler kein Begriff.

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