China bestätigt Todesurteil gegen Kanadier Schellenberg

China bestätigt Todesurteil gegen Kanadier Schellenberg

Frankfurter Allgemeine, 10.08.2021

Unten ein Artikel aus der Frankfurter Allgemeine, Foto CCTV/DPA.

Vor dem Hintergrund der diplomatischen Spannungen zwischen China und Kanada hat ein chinesisches Gericht das Todesurteil gegen einen kanadischen Rauschgiftschmuggler bestätigt. Das Berufungsgericht in der nordostchinesischen Provinz Liaoning teilte an diesem Dienstag mit, dass die gegen den Kanadier Robert Lloyd Schellenberg im Januar 2019 verhängte Todesstrafe aufrecht erhalten werde. In letzter Instanz muss nun noch Chinas Oberstes Volksgericht das Todesurteil bestätigen.

Ursprünglich hatte Schellenberg im November 2018 eine Haftstrafe von 15 Jahren erhalten. Sie wurde aber kurz darauf als zu gering befunden, nachdem in Kanada die Finanzchefin des chinesischen Telekom-Riesen Huawei, Meng Wanzhou, festgenommen worden war. Der Tochter des Huawei-Gründers Ren Zhengfei wird in den Vereinigten Staaten Bankbetrug im Zusammenhang mit Verstößen gegen Sanktionen gegen Iran vorgeworfen. In Kanada läuft nun ein Verfahren, in dem über die Auslieferung der Geschäftsfrau an die Vereinigten Staaten entschieden wird.

Die chinesische Staatsanwaltschaft wirft Schellenberg vor, eine federführende Rolle in einem Drogenring gespielt zu haben, der 222 Kilogramm Methamphetamin in Gummireifen aus China nach Australien schmuggeln wollte. Zwei Chinesen sind deshalb ebenfalls verurteilt worden. Schellenberg behauptet dagegen, dass der Hauptbelastungszeuge ihm eine Falle gestellt habe. Der Chinese sei ihm als Übersetzer empfohlen worden. Er sei als Tourist nach China gekommen, wird Schellenberg von AFP zitiert.

Kanada spricht von „Geiseldiplomatie“

Seit der Festnahme von Meng Wanzhou werden in China zwei weitere Kanadier festgehalten, weshalb Peking „Geiseldiplomatie“ vorgeworfen wird. Der ehemalige Diplomat Michael Kovrig und der Geschäftsmann Michael Spavor wurden wegen Spionage angeklagt. Kanadische Medien berichteten unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen, dass mit einem Urteil gegen Spavor noch in dieser Woche zu rechnen sei. Beide Regierungen haben sich gegenseitig aufgefordert, ihre Landsleute wieder auf freien Fuß zu setzen.